Die Portoprovisorien des Jahres 1918 - ein Überblick F. Semmler)

In der Mitte des Jahres 1918, am 15. Juni, trat in Ungarn eine Bestimmung in Kraft, die eine Kriegszusatzgebühr zusätzlich zu den regulären Porti vorschrieb. Der diese Anordnung beinhaltende Text vom 25. Mai 1918, mit der Nr. 41.212, der auch in der Verordnung PTRP (Posta és Távirda Rendeletek Tára = Post- und Telegrafenverordnung) 1918 Mai 29 - i 53 enthalten ist, lautet unter anderem wie folgt: "Diese Ersatzgebühr, Kriegszusatzgebühr, gilt nur für Postsendungen in die Gebiete der k.u.k. Monarchie, nach Deutschland und Bulgarien, in die von österreichisch/ungarischen Truppen besetzten Gebieten, sowie in die von deutschen Truppen besetzten Ostgebiete. Für das übrige Ausland gilt die bestehende Gebührenverordnung." Die erforderlichen Kriegszusatzgebühren betrugen für die wichtigsten Versendungsformen:

Zusatzgebühr

2 Filler

5 Filler

10 Filler

2 Filler

5 Filler

5 Filler

20 Filler

Versandform
Postkarten (amtliche Ganzsachen)
Briefe und Kartenbriefe
Wertbriefe
Drucksachen bis 50 gr
Drucksachen über 50 gr
Postanweisung
Pakete

Unter Berücksichtigung der späten Bekanntgabe an die Öffentlichkeit, hat man seitens der Postbehörden eine 16-tägige Übergangsfrist eingeräumt. Während dieser Zeit wurden alle Postsendungen ohne erforderliches Kriegszusatzporto nicht mit einer Nachgebühr belegt, sondern es wurde nur der fehlende Betrag der Zusatzgebühr nachgefordert.

 

Während der Übergansfrist ohne Kriegszusatzgebühr aufgegebener Brief. Die Gebühr wurde durch ein 5 Filler Portoprovisorium bei der Ankuft in Csepreg ohne zusätzliches Nachporto aufgeklebt und entwertet.

 

Inlandsbrief aus der Übergangsfrist mit einem 5 Filler Portoprovisorium zur Deckung der fehlenden Kriegszusatzgebühr. Der Einkreisstempel "5" wurde im Budapester Zustellpostamt versendet.

 

Postkarte aus der Übergangsfrist mit 5 Filler Portoprovisorium zur Deckung der 2 Filler Kriegszusatzgebühr
und der fehlenden 3 Filler Postkartenporto (8 Filler anstelle der frankierten 5 Filler).
Das Portoprovisorium wurde vorschriftsmäßig beim Ankunftspostamt entwertet.

 

Nach Ablauf der Übergangsfrist wurde bei fehlender Zusatzgebühr der doppelte Betrag der fehlenden Gebühr erhoben. Da sich aber in diesem Zeitraum zwei amtliche Anordnungen überschnitten:

1. Die Anordnung u. a. die 5-Filler Portomarkenwertstufe zu annullieren (PTRT 1917 Dec. 3 - 150)

2. Die Einführung der Kriegszusatzgebühr, laut PTRT 1918 Mai 29 - i 53

gab es einen gewissen Engpass an regulären Portomarken.

Aus diesem Grunde hat man seitens der Postverwaltung eine Anordnung für den Gebrauch von Portoprovisorien erlassen. Die Verordnungsnummern, sowie der genaue Zeitpunkt dieses Erlasses sind in den Unterlagen aus der damaligen Zeit leider nicht mehr zu finden; der Inhalt ist nur noch aus nichtamtlichen Quellen, nämlich Zeitungsartikeln und aus Fachzeitschriften bekannt. Hier heißt es unter anderem, dass es für eine Übergangsfrist erlaubt war, die gesamten Portogebühren, also reguläres Porto und Kriegszusatzporto, entweder in Teilbeträgen oder im Ganzen, in Briefmarken einzuziehen.

 

Brief nach Leipzig vorschriftsmäßig mit 5 Kr Kriegszusatzgebühr frankiert 

 

Kartenbrief zu 15 Filler mit 5 Filler als Kriegszusatzgebühr

Zusätzlich wird angeordnet, dass die aufgeklebten Briefmarken vom Aufgabepostamt mit dem entsprechenden Handgummistempeln mit den Buchstaben P, T oder PORTO überstempelt und dadurch zu Portoprovisorien deklariert werden. Das Auslieferungspostamt hat seinen Postamtsstempel darauf abzuschlagen. Zu finden sind diese Handgummistempelabschläge auf den Briefmarkenserien vom Typ Mäher, Kriegshilfe III und Karl/Zita. Die Typenvielfalt der Gummihandstempel ist dadurch zu erklären, dass es keine exakten Ausführungsbestimmungen bezüglich Form und Aussehen der Handgummistempel gab.

 

 

Kartenbrief mit fehlender Kriegszusatzgebühr von 5 Filler. Diese wurde per Nachporto in doppelter Höhe, d. h. 10 Filler mit Portoprovisorien eingezogen.

 

Mit Beendigung des ersten Weltkrieges verloren am 15. November 1918 der Erlass über die Kriegszusatzgebühr, sowie über die weitere Anfertigung von Portoprovisorien ihre Gültigkeit; was andererseits keine Portosendung zur Folge hatte. Da man aber, entgegen der Vorschrift 42.212, postintern schon größere Mengen der erwähnten Dauerserien zu Portoprovisorien überstempelt hatte, wurde portopflichtige Dienstpost bis in da Jahr 1919 hinein noch mit diesen Marken freigemacht und somit aufgebracht.

1944.10.05 Flugpostkarte von BUDAPEST nach Deutschland. Ab 1. Juli 1942 war der Tarif einer Karte nach Deutschland identisch mit dem inländischen Fernkartentarif, nämlich 18 fillér. Luftpostzuschlag betrug 20 fillér.

 

Ende 1944 wurde der Luftverkehr aus Budapest eingestellt. Diese Karte ist in der letzte Wochen noch mit der Luftpost nach Deutschland geschickt worden. Der Adressat war dort nicht bekannt und die Karte wurde zurückgeschickt. In beiden (!) Richtungen wurde sie zensuriert und bekam einem Maschinen-Prüfstempel und den dazugehörige Prüferstempel. Die Pinselstriche weisen zu dem auf einer chemischen Suche nach Geheimtinten hin.

Ab den 12. Februar 1944 war es nicht mehr die Wehrmacht sondern die SS, die die Zensur vornahm. Die SS hatten Ende 1944 eigene Zensurstempel angefertigt, die wegen ihrer kurzen Gebrauchsperiode relativ selten sind. Diese Karte zeigt die zwei bekannten Varianten der SS Maschinen-Prüfstempel mit dem charakteristischen Text "ZENSURSTELLE GEPRÜFT".

(Siehe auch Karl-Heinz Riemer "Die Überwachung des Auslandsbriefverkehr während des II. Weltkrieges durch deutsche Dienststellen", 1979)

 

 

 

 

Ungebrauchte Einheiten