Fälschungen und Verfälschungen - ein Überblick

(bearbeitet von M. Rhein - Mailadresse hier klicken)

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Gefälschter Vorphilabrief

forged Letter

In allen Epochen der ungarischen Philatelie finden sich Fälschungen zum Schaden der Sammler. Vorphilatelistische Belege werden bzw. wurden sehr intensiv gefälscht. Zur Zeit wird dieses Problem im Rahmen einer intensiven Forschungsarbeit mit Unterstützung der ungarischen Gervay-Stiftung untersucht (Vgl. hierzu: Dénes Czirók: Falsche ungarische Vorphilatelie-Briefe in: Fakes Forgeries Experts No. 6/2003 Hrsg. v. P. Vollmeier, S. 121 - 129).

Es gibt auch auf Ausgaben der Markenzeit zahlreiche Stempelfälschungen. Einige Beispiele auf der Franz-Josef-Augabe, hier insbesondere auf Ganzsachen: 

Alle gezeigten Stempel sind auf Ganzsachen nachgewiesen

Alle Stempel auf der Vorder- und Rückseite  dieser Ganzsache sind falsch.

Deutlich seltener sind Markenganzfälschungen. Sie sind zum Teil sogar seltener als die Originale, wie die nebenstehend abgebildeten sog. Turiner Fälschungen. Sie gibt es von allen Wertstufen. Es gibt außer diesem Paar kaum weitere Einheiten dieser Fälschung.

Auch die großen Fälscher wie Jean de Sperati und Francois Fournier haben ihre Spuren in der ungarischen Philatelie hinterlassen.

In dem von der L'Union Philatelique de Genève 1928 aus den erwobenen Fournier-Fälschungen hergestellten Referenzalbum findet sich eine Seite mit ungarischen Ganzsachenumschlägen, die zur Fälschung von Einzelmarken vorbereitet waren. Die "gezähnten" Stücke wurden von ihm dann europaweit vertrieben. 

Sog. Turiner - Fälschung

forgries named "Turiner Fakes"

Die "Ungarn-Seite" aus dem Referenzalbum L'Union Philatelique de Genève

Sperati-Fälschungen

Forgeries from Sperati

Der Fälscher Jean de Sperati hat auch ungarische Marken nachgeahmt. Aufgrund seiner außer- gewöhnlichen Kenntnisse der Drucktechnik und der mit ihr zusammenhängenden Chemie, sowie seinen philatelistischen Kenntnissen gehören seine "Werke" zu den gefährlichsten Stücken.

Die nebenstehend abgebildeten Marken stammen aus dem 1953 von der British Philatelic Association angekauften Sperati-Beständen und tragen rückseitig das entsprechende Signum. Die Stempel sind genauso echt wie die Zähnung, da Sperati zur Herstellung Originalmarken verwendete, ihre Farbe entfernte und neubedruckte. (Vgl. hierzu: British Philatelic Association: The Work of Jean de Sperati Second Edition 1956, S.165)  

Selbstverständlich informieren wir auch über Verfälschungen, die immer wieder neu auftreten können, wenn sich gewisse Zeitgenossen durch Betrug Vorteile verschaffen wollen, wie am nachstehenden Beispiel gezeigt.

Der nebenstehend abgebildete Brief (ein E-Bay Los) könnte an sich eine hochinteressante Ganzsache sein. Aber die kurze Analyse wird interessant:  

Gebühr:
Ortsbrief 1.Gewichtsstufe 3 Kr (6 Kr für die 2.Gewichtsstufe) + 15 Kr Expressgebühr. Die Ganzsache ist um 2 Kr überfrankiert bzw. 1 Kr unterfrankiert wenn die 2. Gewichtsstufe angenommen werden soll.
Stempel:
Postanweisungsstempel kommen nur recht selten auf normalen Belegen vor. An einigen Stellen (z. B. das "Z" von Penz) kommt man allerdings zum Zweifeln.
Rückseite:
keinerlei Beförderungsspuren (z.B Ankunftsstempel).

Ganzfälschung eines Orts-Express-Briefes

Forged local express letter

Der Beleg lag mir nicht im Original vor, aber der Verkäufer konnte per E-Mail befragt werden. Er gab folgende Antworten: "There is nothing on the letter backround, because it was regional letter. There are no guarantee." (Übersetzung: Es ist nichts auf der Briefrückseite weil es ein Lokalbrief war. Keine Garantie.) Wenn man Lokalbriefe anschaut, muss man feststellen, dass die überwiegende Zahl einen Ankunftsstempel tragen und es gibt keinen Grund dies in Frage zustellen. Die letzte Antwort "keine Garantie" dient nur noch als letzte Abschreckung. Der Anbieter sitzt in Ungarn und hat leicht die Möglichkeit den Beleg einem Prüfer vorzulegen. Zur Beruhigung sei noch vermerkt, daß diese Ganzsache für 70 US$ unverkauft blieb. Der Verkäufer ist auch mit anderen Losen negativ aufgefallen: Inflationsbriefe, die nach Meinung der amerikanischen Society for Hungarian Philately falsch sind, ANGEBLICH geschnittene Briefmuster auf verschiedenen Belegen.