Die Turul - Ganzsachen von 1933 (erstellt v. J.J. de Weerd)

Die Ganzsachen mit dem Turulwertstempel erschienen erstmals im Jahr 1933 auf Bildpostkarten und Kartenbriefen. Sie waren bis Ende 1945 in Verwendung. Ich werde Ihnen auf dieser Seite einige Stücke vorstellen, die sowohl unter postgeschichtlichen Aspekten als auch als Ganzsache interessant sind. Sollten Sie mehr Erfahren wollen mailen Sie doch einfach: Email

Die 1935 ausgegebenen Bildpostkarten zeigen 15 verschiedene Bilder. Die ganze Serie wurde mit einer Platte von 4 x 16 Karten gedruckt. Es gab also ein Leerfeld, in das das Bild Nummer D-16 (Plattenseekarte Mi P 102) noch aufgenommen wurde. Während der Anfertigung der Platte der 2. Auflage (erkennbar an tieferen Farben und ganz links stehender Kartenummer) ist die Plattenseekarte von einer Karte mit dem Bild der Nummer D-1 (Budapest: Városliget, Vajdahunyad vára) ersetzt worden. Aber sie behielt die Nummer D-16. Diese Karte ist in keinem Katalog aufgenommen. Gelaufene Stücke sind schon schwierig zu finden aber ungebrauchte sind selten: wenig Sammler haben zweimal dasselbe Bild behalten.

(Siehe auch den Artikel von Péter Gidófalvy in Szabolcsi Bélyegújság, Mai 1999)

 

1945.10.03 Fernkarte von KEMENEHOGYÉSZ nach ALSÓSÁG aus der 3. Tarifperiode der Hyperinflation. Die Gebühr zu 6 Pengö wurde folgendermaßen bezahlt: Ganzsache zu 18 fillér, 1 Pengő 82 fillér in Briefmarken und 4 Pengő bar. Die Barzahlung wird durch den handschriftlichen Vermerk "Készp(énzzel) bérm(entesítve)" und den viereckigen Kontrollestempel 6580 bestätigt.

Schon eine hübsche Kombination aber es ist mehr daran: die Frankierung wurde schon in KEMENEHOGYÉSZ abgestempelt aber war dort nicht bezahlt. Jedes Postamt hatte seinen eigenen Kontrollestempel und die Nummer 6580 war nicht in KEMENEHOGYÉSZ in Gebrauch sondern in ALSÓSÁG.

Erklärung: Miklós Berasenyi aus ALSÓSÁG schrieb einem Brief an Arpadné Pépescy in KEMENEHOGYÉSZ und möchte eine Antwortkarte beischließen. Er hatte schon eine 18 fillér Karte mit Briefmarken bis zu dem zu diesem Zeitpunkt gültigem Tarif für Fernkarten von 2 Pengő zufrankiert. Als er den Brief mit der Karte darin aber abschicken wollte, stellt er fest, daß 2 Pengő nicht mehr ausreichten. Er fragte also am Schalter seines Postamtes ALSÓSÁG die Frankatur zu erhöhen und das geschah bar. Die Antwortkarte wurde dann in KEMENEHOGYÉSZ aber abgestempelt. Tarife änderten sich in dieser Zeit sehr oft und neue Briefmarken waren nicht immer vorhanden.

(Siehe auch: Robert B. Morgan, "The Hungarian Hyperinflation of 1945 - 1946, The Postage Rates and Postal Histiry of History's Most Impressive Inflation", 2003)

1944.10.05 Flugpostkarte von BUDAPEST nach Deutschland. Ab 1. Juli 1942 war der Tarif einer Karte nach Deutschland identisch mit dem inländischen Fernkartentarif, nämlich 18 fillér. Luftpostzuschlag betrug 20 fillér.

 

Ende 1944 wurde der Luftverkehr aus Budapest eingestellt. Diese Karte ist in der letzte Wochen noch mit der Luftpost nach Deutschland geschickt worden. Der Adressat war dort nicht bekannt und die Karte wurde zurückgeschickt. In beiden (!) Richtungen wurde sie zensuriert und bekam einem Maschinen-Prüfstempel und den dazugehörige Prüferstempel. Die Pinselstriche weisen zu dem auf einer chemischen Suche nach Geheimtinten hin.

Ab den 12. Februar 1944 war es nicht mehr die Wehrmacht sondern die SS, die die Zensur vornahm. Die SS hatten Ende 1944 eigene Zensurstempel angefertigt, die wegen ihrer kurzen Gebrauchsperiode relativ selten sind. Diese Karte zeigt die zwei bekannten Varianten der SS Maschinen-Prüfstempel mit dem charakteristischen Text "ZENSURSTELLE GEPRÜFT".

(Siehe auch Karl-Heinz Riemer "Die Überwachung des Auslandsbriefverkehr während des II. Weltkrieges durch deutsche Dienststellen", 1979)